Das Clubhaus-Konzept

Im Jahr 2022 hat sich Alexandra Reppe, Sängerin und Liedermacherin der Leipziger Band “Club Sinnflut” dazu entschlossen, ein eigenes Clubhaus ins Leben zu rufen. Was zuvor ausschließlich virtuell begann, ist heute ein realer Ort, der sich langsam aber sicher in eine Veranstaltungsstätte für Kunst und Kultur verwandelt.

In der ersten Ausgabe dieses Magazins beleuchten wir nicht nur die Hintergründe ihres Vorhabens, sondern stellen auch das Konzept vom Clubhaus “Freiwohn” vor. Hier erhaltet ihr Einblicke in die Renovierungsarbeiten eines alten Jugendclubs und erfahrt mehr über die Clubhaus-Mitglieder.

Fühlt euch herzlich dazu eingeladen, unserer vielseitigen Community beizutreten und so aktiv an Aktionen und Veranstaltungen rund um das Clubhaus teilzunehmen. Im Heft erhaltet ihr alle Informationen, die ihr dafür braucht. Und nun lasst uns gemeinsam eintauchen, in die fantasievolle Welt des Clubhauses “Freiwohn”. 

Vom Kindheitstraum zur Wirklichkeit – Die Geschichte des Clubhauses

Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, gemeinsam künstlerisch aktiv werden und sich austauschen können – das ist das Konzept vom Clubhaus “Freiwohn”, welches seinen Sitz mittlerweile auf dem Petersberg bei Halle hat. Dort steht es in grauem Beton, wie herausgeschält aus der umliegenden Natur. Umgeben von Wiesen, Bäumen und Blumen und am Weg, der direkt hinauf zum Kloster führt. 

Zuvor existierte das Haus jedoch vor allem in der Fantasie von Alexandra Reppe, Bandleader und Sängerin vom “Club Sinnflut”. Entsprungen ist die Idee an warmen Sommertagen, die sie gemeinsam mit Schwester Marie bei ihren Großeltern verbrachte. Zunächst während der Vorschulzeit, später dann in den Ferien. Ein typischer Tagesablauf: Am Morgen eine Stunde lang mit der Oma reden (sie nannten es Gesprächerunde), dann ging es hinauf ins Kinderzimmer, welches schon bald zum “Clubzimmer” ernannt wurde. Gemeinsam mit ihrem Opa spielten sie dort Gesellschaftsspiele, wie Schach und Halma, malten Bilder, dachten sich Geschichten aus. 

Für Alexandra rief das nach einem größeren Rahmen, in dem das alles organisiert sein sollte. Einem Club. So wurde das Haus der Großeltern zum Clubhaus, die einzelnen Zimmer darin zu Räumen, in denen die einzelnen Clubs ihre Arbeit verrichten konnten. Fantasie wurde mit Wirklichkeit verkettet und immer weiter ausgebaut.

Mittlerweile sind Alexandra und Marie erwachsen. Häufig wird gesagt, dass die Träume mit fortschreitendem Alter immer kleiner werden, vielleicht am Ende sogar ganz verschwinden. Deswegen hält es die Buchbinderin und Liedermacherin Alexandra für so wichtig, sie an die Oberfläche zu befördern. Wenn die eigenen Träume für andere sichtbar werden, dann verlassen sie den Bereich der Illusion. Dann können sie nicht mehr so einfach weggeschoben werden, wenn andere Dinge des Erwachsenen-Alltags in den Vordergrund rücken wollen.  

Das Clubhaus wechselt die Räume

Während der Entstehung des Clubhauses “Freiwohn” schien dieses immer mal wieder im “luftleeren Raum” zu schweben. Denn auch, wenn sich im Haus der Großeltern bis heute nicht viel verändert hat – selbst das alte “Clubzimmer” existiert bis heute im dritten Stock – ist und bleibt es doch ein Wohnhaus, in dem vor allem tägliches Leben stattfindet. Nach einem Gestaltungskurs mit Photoshop und InDesign vergleicht Alexandra ihr Vorgehen in etwa mit einem Dokument, in dem sie ein Quadrat aufgezogen und dieses nach ihren eigenen Wünschen unterteilt und gestaltet hat.   

Irgendwann stellt sie fest, dass das Quadrat nicht die richtige Größe hat, um alle Bilder und Textdateien darin unterzubringen, die ihr durch den Kopf schweben. Außerdem passt es irgendwie nicht mehr so gut ins Gesamtlayout. Sie kopiert es also, löscht es aber nicht aus dem ursprünglichen Dokument heraus. An ihrem Mauszeiger hängt, unsichtbar damit verbunden, ein ganzes Clubhaus. Das muss jetzt woanders hin, an einen Ort, an dem es von vielen Menschen erreicht und aufgesucht werden kann. Das Konzept bleibt dabei gleich, es wechselt nur den Standort.

Und dieser befindet sich nun auf dem Petersberg bei Halle. Auch das hat eine Geschichte.

Der ehemalige Jugendclub Petersberg

Im Jahr … zog Marie Reppe bei ihrem Freund Sven Moelke ein, der zu diesem Zeitpunkt bereits einige Jahre lang in einem ehemaligen Jugendclub im Ort Petersberg (Sachsen-Anhalt) lebte. Das Objekt war von der Gemeinde versteigert worden, nachdem man es bereits lange nicht mehr als Clubhaus genutzt hatte. Sven und Marie richteten sich dort (wie bereits ihre Vorgänger) einen Bereich zum Wohnen ein. So leben sie heute, abgelegen von der Nachbarschaft, umringt von einem kleinen Waldstück. 

Marie hat den weiträumigen Außenbereich des Hauses nach und nach zu neuem Leben erweckt. Was damals eine “Waldbühne” war, ist heute eine große Terrasse mit zahlreichen Pflanztöpfen, aus denen es zu jeder Jahreszeit grünt.

Das Haus ist jedoch so groß, dass sie sich zu zweit nicht allen Räumen widmen können. Deswegen zeigte Marie ihrer Schwester die weiter unten am Hang gelegenen Bereiche, in denen sich unter anderem eine ehemalige Bar befindet. Über einen zweiten Eingang mit weitläufiger Terrasse davor, kann man sie erreichen.

Als sich Alexandra diese “verborgene Welt” zum ersten Mal öffnete, spürte sie eine große Faszination. Sofort wurde ihr klar, dass das die Räume waren, nach denen sie so lange gesucht hatte. Noch lagen sie unter einer dicken Staubschicht, waren durch den langen Leerstand an manchen Stellen heruntergekommen. Hier und da bröckelte Putz von den Wänden, waren Fensterrahmen beschädigt und Teppiche verschmutzt.

Für Alexandra stand schnell fest: Diesen Räumen wollte sie neues Leben einhauchen. Alles, was sie dazu brauchte, befand sich bereits in ihrem Kopf. Nun musste es Wirklichkeit werden. Mit Sven setzte sie einen Vertrag auf, der besagte, dass sie die besagten Räume mieten und renovieren durfte. Danach stand dem nichts mehr im Wege.

Das Clubhaus Freiwohn heute

Seit der Vertragsunterzeichnung im Jahr 2023 sind etwa 3 Jahre vergangen. Mittlerweile hat sich im und um das Haus herum einiges getan. Die einst unter Erde und Efeu begrabene Terrasse sowie eine schöne Natursteintreppe wurden freigelegt, sodass erste Open-Air-Veranstaltungen im letzten Jahr stattfinden konnten. Direkt vor dem Haus gibt es eine große Wiese, die kurz gemäht und von Gestrüpp und Ästen befreit und einen weiträumigen Parkplatz darstellt.

Im Innenraum haben sich die Clubhausmitglieder zunächst einem Raum gewidmet, den Alexandra das “Clubzimmer” nennt. Dies soll der Sitz ihrer Band “Club Sinnflut” sein, an dem gemeinsame Proben, Konzerte und auch Büroarbeiten stattfinden. Mithilfe einiger Clubhausmitglieder, wie dem Leipziger Liedermacher und Autoren Markus König, der außerdem einen eigenen Betrieb als Malermeister führt, haben sie neuen Trockenbau eingesetzt, Wänden und Stahlträgern einen neuen Anstrich verpasst.

Alexandra selbst kümmert sich um die Inneneinrichtung und den gestalterischen Teil. Ihrem Ziel, den Raum wie einen Ort in der Natur wirken zu lassen, ist sie durch den Einsatz von Pflanzenpaneelen und Hänge- und Topfpflanzen schon näher gekommen. Was jetzt noch fehlt, ist ein Teppichboden, der sich wie zuvor bis über die Erhebungen an den Rändern des Zimmers erstrecken soll. 

Für 2026 sind bereits einige Konzerte und andere Veranstaltungen auf dem Petersberg geplant.

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